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autvocacy_trennlinie_schmal Suizidalität und vorzeitiger Tod bei autistischen Personen (2. Sitzung) Collapse

Erhöhte Neigung zu Suizidalität bei autistischen Personen ist wissenschaftlich etabliert, sowohl aus pathologisierender Perspektive, als in autistisch-geleiteter und Neurodivergenz-informierter Forschung. Wenn diese Daten patholigiserend bzw. nicht Neurodivergenz-informiert ausgeweret werden, kommt es unweigerlich zu falschen Schlussfolgerungen und problematischen Empfehlungen/Interventionen. Gerade hier bietet ND bestätigende Forschung wichtige Erkenntnisse für besseres psychisches Wohlbefinden allgemein.

Hier ist eine nicht-umfassende Liste von Ressourcen, die eher einen Einblick als einen Überblick geben soll.

Einen ersten Überblick bietet die Seite von Autistica UK hier und in diesem Bericht zu vorzeitigem Tod bei autistischen Personen. Autistica fasst unter anderem zusammen, dass relevante Studien festgestellt haben, dass 30-50% aller autistischen Personen über Suizid nachgedacht haben.

Diese Studie untersucht Suizidalität bei autistischen Kindern verglichen mit nicht-autistischen Kindern und depressiven Kindern, basierend auf Einordnungen von ihren Müttern. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass 14% der hier erfassten autistischen Suizidgedanken (suicidal ideation) hatten oder Suizidversuche unternommen haben, verglichen mit 0,5% von nicht autistischen Personen. Nach dieser Studie liegt die Suizidalität bei autistischen Kindern und Jugendlichen 28 mal höher als bei nicht-autistischen Kindern und Jugendlichen, allerding niederiger als bei Kindern und Jugendlichen mit (bekannter!) Depression. Als Risikofaktoren in der jungen autistischen Population wurde hier identifiziert: Jungen, >/= 10 Jahre, „hispanisch“, niederiger sozioökonomischer Status (also erhöhtes Risiko für diese Gruppen).
Die Studie schlussfolgert, dass autistische junge Menschen auf Suizidalität gescreened werden sollten.Susan Dickerson Mayes, Angela A. Gorman, Jolene Hillwig-Garcia, Ehsan Syed, Suicide ideation and attempts in children with autism, Research in Autism Spectrum Disorders, Volume 7, Issue 1, 2013, Pages 109-119, ISSN 1750-9467.

Diese study review aus pathologisierender Perspektive fasst zusammen, dass unterschiedliche Studien die Suizidalitätsrate bei als autistisch identifizierten – also erkannten – Personen bei 10.9-50% platzieren, und dass autistische Personen in unterschiedlichen Studien 7.3-15% aller suizidalen Populationen ausmachen – obwohl derzeit davon ausgegangen wird, dass autistische Personen ca. 1 Prozent von Gesamtpopulationen ausmachen.
Segers, M., Rawana, J. (2014). What do we know about suicidality in autism spectrum disorders? A systematic review. Autism Research, 5;7(4):507-21

Diese Studie knüpft daran an, dass erhöhte Suizidalität bei autistischen Personen wissenschaftlich etabliert ist und untersucht ob Personen, die einen oder mehrere Suizidversuche unternommen haben, vermehrt autistische Züge haben – das Resultat ist bestätigend. Das bedeutet, ein größerer Prozentsatz von erwachsenen Personen, die Suizidversuche unternommen habe, erfüllen bestimmte Kriterien für eine Autismusdiagnose (AQ). Wobei Personen mit bestätigter/vermuteter Diagnose für die Fragestellung teilweise nicht berücksichtigt wurden.Richards, G., Kenny, R., Griffiths, S. et al. Autistic traits in adults who have attempted suicide. Molecular Autism 10, 26 (2019).

Diese groß angelegte Studie aus dem dänischen Kontext findet, dass autistische Personen dreimal häufiger als nicht autistische Personen Suizid versuchen oder durchführen, und untersucht genauer nach Unterschieden bezüglich Gender und Alter. Kõlves K, Fitzgerald C, Nordentoft M, Wood SJ, Erlangsen A. Assessment of Suicidal Behaviors Among Individuals With Autism Spectrum Disorder in Denmark. JAMA Netw Open. 2021;4(1):e2033565. doi:10.1001/jamanetworkopen.2020.33565

Diese Studie – co-authored von Simon Baron-Cohen – findet, dass 2/3 der in der Studie erfassten autistischen Erwachsenen (mit „Asperger Diagnose“) von Suizidgedanken (suicidal idealtion) berichtete und 1/3 berichtete, mindestens einmal Suizid geplant oder versucht zu haben(tatsächlicher Suizid wurde hier nicht erfasst).Cassidy S, Bradley P, Robinson J, Allison C, McHugh M, Baron-Cohen S. Suicidal ideation and suicide plans or attempts in adults with Asperger’s syndrome attending a specialist diagnostic clinic: a clinical cohort study. Lancet Psychiatry. 2014 Jul;1(2):142-7. 

Mehrere Studien gehen von der Grundannahme aus, dass die Lebenserwartungen von autistischen Personen niedriger sind als bei nicht-autistischen Personen, und untersuchen das durchschnittliche Todesalter, sowie die häufigsten Todesursachen. Vor allem erhöhte Todeszahlen bei jungen autistischen Menschen (Kindern und Jugendlichen) sorgen häufig für einen niedrigeren Lebenserwartungsdurchschnitt als bei typischen Populationen. Hier zwei Beispiele für solche Studien.Diese Studie kommt zu dem Ergebniss, dass autistische Personen im Schnitt mit 54 Jahren sterben – womit sie höher liegt als einige andere Studien – und identifiziert  neben Suizid Epilepsie und cardiovaskuläre Probleme als häufigste Todesursachen.Hirvikoski, T., Mittendorfer-Rutz, E., Boman, M., Larsson, H., Lichtenstein, P., & Bölte, S. (2016). Premature mortality in autism spectrum disorder. The British Journal of Psychiatry, 208(3), 232-238. doi:10.1192/bjp.bp.114.160192Diese Studie ergab eine durchschnittliche Lebensdauer von autistischen Personen (in den USA) von 36 Jahren (im Vergleich zu 70 Jahren bei nicht autistischen Personen), mit besonders vielen Todesfällen bei autistischen Kindern und Jugendlichen (40x häufiger als bei nicht autistischen gleichaltrigen), wobei Verletzungen und Ertrinken als Haupttodesursache festgestellt worden sind.Joseph Guan and Guohua Li, 2017: Injury Mortality in Individuals With Autism. American Journal of Public Health 107, 791_793